Verantwortung entlang der Beschaffungskette

Von unseren Lieferanten und Vertragspartnern erwarten wir, dass ihr Verhalten unseren unternehmensethischen Werten entspricht. Grundlage hierfür sind unsere konzernweit gültigen Einkaufsstandards sowie die bereits 1997 formulierten Standards für Sicherheit, Gesundheit und Umwelt, durch die wir uns schon früh zu unserer Verantwortung entlang der gesamten Lieferkette bekannt haben. Daher berücksichtigen wir bei der Auswahl und Entwicklung unserer Lieferanten und Vertragspartner deren Leistung in Bezug auf nachhaltiges Wirtschaften.

Weltweite Beschaffungsmärkte

Unsere Lieferantenbasis umfasst derzeit Lieferanten und Vertragspartner aus rund 125 Ländern. Über 70 Prozent unserer Einkäufe tätigen wir in Mitgliedsstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Wir erschließen jedoch verstärkt Beschaffungsmärkte außerhalb der OECD-Mitgliedsstaaten. Unsere Anforderungen gegenüber Lieferanten aus diesen Ländern sind dabei dieselben. Unsere Lieferanten bewerten wir in einem ganzheitlichen Prozess, der neben kommerziellen und operativen Kennzahlen auch die Ergebnisse und Risiken im Bereich Nachhaltigkeit umfasst.

Lieferanten-Code

Der industrieübergreifende Code of Conduct des deutschen Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) ist unser weltweit gültiger Lieferanten-Code. Henkel hat sich bereits 2009 der BME-Initiative angeschlossen, da diese auf den zehn Prinzipien des Global Compact der Vereinten Nationen basiert und somit eine internationale Anwendung ermöglicht. Der BME-Code dient als Grundlage der vertraglichen Beziehung mit unseren strategischen Lieferanten. Das heißt, diese haben entweder den branchenübergreifenden Code des BME – und damit die Prinzipien
des Global Compact – anerkannt oder einen eigenen, vergleichbaren Verhaltenskodex vorgewiesen. Um unseren Lieferanten die Beantwortung zu erleichtern, haben wir 2012 in Zusammenarbeit mit dem BME unseren Code of Conduct und alle entsprechenden Fragebögen in zehn Sprachen übersetzt.

Standards setzen – Synergien nutzen

Seit 2011 ist Henkel Mitglied bei „AIM-PROGRESS“, einem Forum von Unternehmen der Konsumgüterindustrie. Ziel ist es, eine verantwortungsvolle Beschaffung und nachhaltige Produktionssysteme zu fördern. Ein zentraler Punkt von AIM-PROGRESS ist die Bereitstellung einer Diskussionsplattform, um Ansichten und Erfahrungen bezüglich einer nachhaltigen Lieferkette auszutauschen. Außerdem sollen die effektive Zusammenarbeit und potenzielle Zusammenschlüsse mit anderen globalen Initiativen mit ähnlichen Zielen oder Interessen unterstützt werden. Dabei will das Forum die Nutzung von allgemeinen Bewertungsmethoden für die Ermittlung von Nachhaltigkeitsleistungen entlang der Wertschöpfungskette entwickeln und fördern. Bei den Mitgliedsunternehmen wird eine deutliche Effizienzsteigerung erreicht indem nicht wettbewerbsrelevante Informationen gesammelt, ausgewertet und geteilt werden. Durch eine gegenseitige Anerkennung sollen vor allem Auditergebnisse geteilt werden.

„Responsible Supply Chain Process“

Im Rahmen unserer Nachhaltigkeitsstrategie streben wir an, mit weniger Ressourcen mehr zu erreichen.  Dazu haben wir einen überarbeiteten, fünfstufigen „Responsible Supply Chain Process“ eingeführt. Im Fokus stehen zwei wesentliche Herausforderungen: zum einen die Einhaltung unserer definierten Nachhaltigkeitsstandards durch alle Lieferanten (Schritte 1 bis 3). Zum anderen wollen wir durch gezielte Zusammenarbeit mit unseren strategischen Lieferanten einen Beitrag zur Verbesserung der Nachhaltigkeit in der Lieferkette leisten – zum Beispiel durch Wissenstransfer und Fortbildung in Bezug auf Prozessoptimierung, Ressourceneffizienz sowie Umwelt- und Sozialstandards (Schritte 4 und 5).

„Von unseren Vertragspartnern erwarten wir das Einhalten unserer Standards. Darüber hinaus wollen wir zusammen mit unseren strategischen Lieferanten weitere Beiträge zur Nachhaltigkeit leisten.“

Carsten Knobel
Carsten Knobel
Mitglied des Vorstands und zuständig für den Unternehmensbereich Finanzen (CFO) / Einkauf
Logo BME

Henkel ist Unterzeichner des industrieübergreifenden Code of Conduct des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik in Deutschland.
www.bme.de

„Responsible Supply Chain Process“

Grafik „Responsible Supply Chain Process“

Schritt 1: Risikobewertung

Henkel hat 2011 sein Frühwarnsystem für Nachhaltigkeitsrisiken auf den globalen Beschaffungsmärkten weiterentwickelt. Zunächst schätzen wir das Risikopotenzial eines Markts beziehungsweise einer Region ein. Hierbei legen wir den Fokus auf von internationalen Fachinstituten festgelegte Risikoländer. Die Bewertung umfasst die Kriterien „Menschenrechte“, „Korruption“ und „gesetzliches Umfeld“. Hinzu kommt die Bewertung einer zweiten Dimension: der Risikowertschöpfungsketten. Dies sind für uns Industrien und Branchen, die potenziell ein spezifisches Risiko für unser Unternehmen darstellen. Durch die Identifizierung von Risikoländern und Themen von besonderer Brisanz, den sogenannten Hot Topics, hat Henkel seine risikoreichsten Beschaffungsmärkte definiert und entsprechende Maßnahmen eingeleitet.

Schritt 2: Selbstbewertung

Wir verfolgen die Strategie der Selbstbewertung unserer Lieferanten auf Basis von Fragebögen. Diese umfassen unsere Anforderungen in den Bereichen Sicherheit, Gesundheit, Umwelt, Qualität, Menschenrechte, Mitarbeiterstandards und Anti-Korruption. 2012 lag der Schwerpunkt auf der Bewertung strategisch wichtiger Lieferanten in allen Materialgruppen in den identifizierten Risikoländern – zum Beispiel für Schlüsselrohstoffe und Verpackungen, Telekommunikation und technische Materialien.

Schritt 3: Analyse

Auf Basis von Risiko- und Selbstbewertung wird eine Einstufung der Lieferanten nach dem Ampelsystem durchgeführt. Bei „Rot“ (non-compliant) kommt es kurzfristig zu einer Aufhebung des Lieferantenverhältnisses. Bei „Gelb“ wird der Verbesserungsbedarf identifiziert; und die betreffenden Lieferanten werden auditiert.

Schritt 4: Audit

Im Bereich der Auditierungen engagieren wir uns auch in branchenübergreifenden Initiativen, um Transparenz und Effizienz von Lieferanten-Auditierungen zu verbessern und unternehmensübergreifende Standards mitzugestalten – zum Beispiel durch den besseren Austausch bereits bestehender Auditergebnisse.

Schritt 5: Entwicklung

Im Rahmen unseres Lieferantenmanagements arbeiten wir gezielt mit unseren Lieferanten zusammen an der Verbesserung von Nachhaltigkeitsstandards. Dabei versuchen wir, in der gesamten Lieferkette positive Veränderungen anzustoßen – beispielsweise durch Schulungen und gemeinsame Projekte hinsichtlich Prozessoptimierungen, Ressourceneffizienz oder Umwelt- und Sozialstandards. 2012 haben wir beispielsweise projektweise mit einem Rohstoff-Lieferanten für Derivate pflanzlicher Öle aus Indien zusammengearbeitet und ihm unsere Bewertungsprinzipien für die Evaluierung seiner Lieferanten zur Verfügung gestellt. Dieser Lieferant will nun dieses Wissen seinem Branchen-Verband für pflanzliche Öle zugänglich machen, um ein einheitliches, hohes Niveau sicherzustellen. So trainieren wir nicht nur unsere direkten Lieferanten, sondern versuchen idealerweise eine ganze Industrie entlang unserer Wertschöpfungskette zu erreichen.

Insgesamt erfüllten 2012 die bewerteten strategischen Lieferanten und Vertragspartner unsere Ansprüche. In einem Fall beendeten wir das Lieferantenverhältnis aufgrund sozialethischer Verstöße.

Frühwarnsystem für Risikomärkte

Ein Beispiel für einen Risikomarkt ist die Beschaffung der Rohstoffe für Lötpasten und andere Lötmaterialien für die Elektronikindustrie. Sie enthalten Metalle zur Erzeugung ihrer elektrischen Leitfähigkeit – hauptsächlich Silber, Kupfer und Zinn. In einigen Ländern wird der Abbau von Kassiterit, dem wesentlichen Ausgangsmineral für die Gewinnung von Zinn, mit militärischen Konflikten und Menschenrechtsverletzungen in Verbindung gebracht. In den letzten Jahren haben wir unsere direkten Lieferanten für Metalle immer wieder untersucht und aufgefordert, mit entsprechender Dokumentation nachzuweisen, dass sie keine Metalle aus kritischen Regionen kaufen oder verarbeiten.

Gemeinsam mit externen Partnern haben wir darüber hinaus 2012 weitere Frühwarnsysteme erarbeitet, die Risikoprofile bereits in der Assessmentphase identifizieren. So haben wir rund 100 Beschaffungsmärkte und alle Risikoländer abgedeckt. In den USA und anderen Ländern arbeiten wir eng mit den Verbänden der Elektronikindustrie zusammen, um einen offiziellen Auditprozess für Metalllieferanten zu definieren. Ein weiteres Beispiel ist die Beschaffung von Werbeartikeln, die häufig von Drittanbietern in Niedriglohnländern gefertigt werden. Um auch hier die Einhaltung unserer Nachhaltigkeitsstandards sicherzustellen, analysieren wir bereits im Vorfeld der Auftragsvergabe die Profile unserer Lieferanten in diesem Bereich.

Zusammenarbeit für Nachhaltigkeit

Der systematische Ausbau des Auditprogramms für Lieferanten ist der Schwerpunkt unserer Arbeit in den kommenden Jahren. 2012 hat Henkel, gemeinsam mit fünf weiteren Unternehmen der chemischen Industrie, die Initiative „Together for Sustainability – The Chemical Initiative for Sustainable Supply Chains“ ins Leben gerufen. Sie basiert auf den Prinzipien des Global Compact der Vereinten Nationen und der Responsible Care-Initiative des Internationalen Chemieverbands (ICCA). Die Initiative hat zum Ziel, das immer komplexer werdende Lieferantenmanagement zu harmonisieren und den gemeinsamen Dialog mit weltweiten Vertragspartnern zu optimieren. Dabei sollen vor allem Synergien geschaffen und genutzt werden, um Ressourcen effizienter zu nutzen und bürokratische Hürden zu minimieren, sowohl bei den sechs Mitgliedsunternehmen als auch bei den gemeinsamen Lieferanten. Im Kern der Initiative steht der Gedanke „Ein Audit für einen ist ein Audit für alle“: Lieferanten müssen zukünftig nur ein Self-Assessment beziehungsweise ein Audit durchführen. Die Ergebnisse des Reports werden dann unter den Mitgliedern der Initiative geteilt. Gesteuert wird die Initiative von den Chief Purchasing Officers der Mitgliedsunternehmen. Die Begleitung durch externe Kartellrechtsanwälte stellt sicher, dass keine Konflikte mit wettbewerbsrechtlichen Aspekten stattfinden.

Letzte Aktualisierung: 6. März 2013